Die Heimreise

Liebe Kinder,
ich hoffe Ihr habt gut geschlafen. Es ist Samstag 05:45 Uhr früh und das erste Tageslicht taucht die Weinberge in Bordeaux in einen weißen Schleier. Ich stehe vor dem Chateau und starte wie üblich meine tägliche Joggingrunde ohne Leine. Ich schaue ins Tal. Die ersten Mitarbeiter der Kellerei kommen mit Ihren Fahrrädern den Hang hinauf. Um 06:15 beginnt die Arbeit in der Abfüllung und Etikettierung der Flaschen. Philippe schiebt die ersten Paletten mit den berühmten grünen Flaschen in die Halle. Ich schaue auf riesige Türme mit Barrique-Fässern. Jedes enthält 225 l Bordeaux.
Ein alter Mann, bereits 72 Jahre alt baut diese noch heute mit seinem einzigen Lehrling seit 55 Jahren Stück für Stück von Hand aus Allier-Eiche. 3 Jahre lang gibt das einzigartige Holz seine Inhalts-Stoffe an den Wein ab, bevor er in die Flasche gelangt.
Ihr wisst das ja schon, aber inzwischen lesen sogar Ärzte meine Geschichten und es ist mir wichtig diesen etwas bei zubringen, schließlich sind es eure täglichen Gesprächspartner.
Ich wetze in meiner königsblauen Luxushose kilometerweit durch die Rebgärten. Dem Kiesweg folgend lasse ich ein Schloss nach den dem anderen hinter mir- Citran, Figerac, Haut Brion, Mouton,Latour, Lafite…
Es ist kurz vor 08:00 Uhr ich muss zurück zum Frühstück nach Martinet. Gilles möchte mit mir zusammen Frühstücken.
Als ich den Wintergarten erreiche, steht Gilles schon in der Tür. Was hat der denn da auf der Hand !
Das sieht ja wie ich 5 Wochen nach meiner Geburt. Guten Morgen Emma, dieser kleine Hund wurde heute Morgen bei mir abgeben. Baronin Philippine de Rothschild , heutige Eigentümerin von Mouton hat mir diesen als Geschenk für die Prinzessin zur Verfügung gestellt. Er wird uns nach dem Frühstück auf der Reise nach Berlin begleiten.
Ich bestelle Milchkaffee ohne Kaffee und Würfelschinken ohne Rührei. Das Personal hier ist ausgezeichnet und erfüllt mir umgehend diesen Wunsch. Ach Emma vielleicht solltest du wirklich mit deinen Freunden übersiedeln- Hier ist die Welt echt in Ordnung.
Ich hole meine Sachen vom Zimmer und gehe zum Parkplatz. Ich hatte ja nun auch noch die Verantwortung für den kleinen Franzosen, welcher aussah wie ich vor meiner Schulzeit. Ein Baby „Emma“, der nicht einmal seinen Namen kannte, aber aus bestem Hause kam.
Er hüpft auf einem Bein vor mir her und sieht schon putzig aus mit seinem goldenen Halsband.
Gilles hatte einen Kleinbus gemietet, wollten wir doch 144 Kisten Wein mit nach Berlin nehmen eine Werbewoche in einem großen Berliner Kaufhaus.
Wir teilen uns den Platz auf der Beifahrerseite. Bitte schnallt euch beide an, es liegt ein weiter Weg vor uns und nicht alle Deutschen beherrschen das Autofahren wie wir Franzosen.
Mit dem Autofahren mochte er recht haben, aber über das Auto bauen wollte ich mit Ihm nicht wieder diskutieren.

Wir schauten aus dem Fenster und ich musste irgendwann eingeschlafen sein.
Ich wurde durch einen unnachahmlichen Geruch geweckt-Döner !!!
Nur Döner macht alle Schlittenhunde …. Berlin Alt-Rudow, wir waren fast zu Hause. Ich hatte es geschafft. War ich doch mehr als 8 Wochen unterwegs gewesen. Mein Herz klopfte, würde ich doch gleich die Prinzessin und den Bären wiedersehen. Ja, da waren Sie ja schon! Sie standen wie verabredet an der Total –Tankstelle.
Er rauchte wie immer, eine dieser schrecklichen Zigaretten aus der hellgrünen Packung, welche man vermutlich vor 80 Jahren vergessen hatte zu verbieten. Sie schimpfte dann natürlich immer mit Ihm, hatten wir doch gerade erst die Räume im Schloss neu streichen lassen und er sollte sich dieses Laster unbedingt abgewöhnen. Sie hielt einen angebissenen Schokoladenmuffin in der Hand und strahlte über das ganze Gesicht mich zu sehen. Er schaffte es doch immer wieder passende Friedensangebote für Sie zu finden.
Wen sah ich denn dort! Die Prinzessin hatte einen kleinen Hund an meiner roten Hundeleine dabei.
Er war braun, ganz braun, total braun und echt süß. Ich freute mich riesig, noch ein Gefährte zum spielen im Schloss.
Die Wiedersehensfreude war riesig. Ihr kennt das ja -Küßchen hier, Küßchen da.
Eigentlich mochte ich Lipgloss gar nicht in meinem flauschigen Winterfell.
Der Bär wollte gerade eine neue Zigarette anzünden. Die Prinzessin schaute ihm in die Augen und er hielt ihr die Packung hin. Sie versenkte diese unverzüglich in den Untiefen Ihrer Handtasche.
Schön, dass die beiden sich so gut verstehen .Ich war sehr froh wieder zu Hause zu sein.
So, meine Lieben ich sage dann mal Tschüß für heute, da ich etwas müde bin.
Bitten keinen Klinikterror veranstalten, aufessen und immer bei der Wahrheit bleiben.

Ich melde mich in Kürze bei Euch.

Bis bald

Eure Emma-Louise

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